Bericht: Die Milchstraße am Bodensee

Das beste im Leben kommt manchmal unerwartet.

So erging es uns am letzten Juniwochenende. Der Wetterbericht hat fast 40 Grad angesagt. Viel zu heiß um in Stuttgart etwas zu unternehmen und einfach nur Zuhause rumhocken kam an unserem gemeinsamen Wochenende nicht in Frage. Also mein Mädchen, das Zelt und die Kamera eingepackt und ab zum Bodensee.

Auf dem Weg zum See hab ich verschiedene Campingplätze angerufen um noch irgendeinen kleinen Platz für unser kleines Zelt zu finden. Glück hatten wir am Ende in der Nähe von Uhldingen, dem Örtchen mit dem den berühmten Pfahlbauten.

Und der Wetterbericht sollte recht behalten. Tagsüber war es praktisch unmöglich mehr zu machen als am Ufer im Schatten herum zu lungern und sich hin und wieder mal im klaren Wasser des Bodensees abzukühlen. Mehr haben wir auch nicht gemacht.

Am Abend haben wird dann ein paar Brettspiele ausgepackt und die schönste Zeit des Tages nach Sonnenuntergangs und der Abkühlung genossen.

Kurz nach Mitternacht hat Bettina dann ein Band von Sternen gesehen und war fest überzeugt, dass sei die Milchstraße. Ich hielt das für unmöglich. Sahara-Staub in der Luft, der komplett umbaute See mit seiner Lichtverschmutzung sind echt nicht das optimale Jagtgebiet der Astrofotografen.
Ich ließ mich also bequatschen und wir suchten einen dunkleren Ort in der Nähe. Den fanden wir am Ufer. Hier konnte man die Hand vor den Augen kaum erkennen, in dieser Mondlosen Nacht. Perfekt!

Nach ein paar Minuten gewöhnten sich unsere Augen an die Dunkelheit und nun sah auch ich den großen Teil der Milchstraße. Unglaublich, sonst plane ich das Monatelang im voraus und nun war sie da. Ohne Planung, ohne etliche Kilometer Weg zu den dunkelsten Orten, ohne Vorbereitung und leider auch nur mit einem Lichtschwachen Objektiv.

Also musste ich mit dem Iso hoch auf 4.000 was das Bild natürlich ein wenig körnig macht. Blende voll auf (heißt bei meinem Glas 4.0), minimale Brennweite (hier 16mm) und 15-20 Sekunden Belichtungszeit. Nicht das Optimale Setup, aber ein guter Kompromiss, wenn man nur ein 4.0er Weitwinkel in seiner Tasche hat. Was hätte ich an diesem Abend für ein 2.8+ Objektiv gegeben.

Das Glücksgefühlt war übrigens der Hammer, denn:

Das Beste im Leben kommt manchmal unerwartet

mw1bodensee

 

Hier noch ein Paar Tipps für Astro Neulinge die mal Sternenfotografie probieren möchte:

  • ohne Stativ geht hier nichts
  • möglichst offenblendiges Objektiv (2.8 oder weniger, zum testen auch mal ein schlechteres, aber dann musst du mit dem ISO hoch)
  • manueller Modus und manueller Fokus (mit Fokusvergrößerung Scharfstellen und so fokussieren das die Sterne möglichst klein sind)
  • Je Weitwinkliger dein Objektiv, desto länger kannst du belichten
  • Hast du keine Sterne auf dem Bild sondern Linien, verkürze die Verschlusszeit
  • Den Iso so hoch wie nötig, so niedrig wie möglich (von 1600-6400 kannst du Testen)
  • mach den Stabilisator deiner Kamera aus
  • Stelle das Dateiformat auf Rohformat
  • Du musst die Bilder fast zwangsläufig Bearbeiten

 

 

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